1.2 Verweigerung und Ignoranz der Bundesregierung
By Intersexuelle Menschen e.V. on Monday 21 July 2008, 00:30 - CEDAW 2008 - Permalink
Die Bundesregierung wurde durch zwei kleine Anfragen gebeten, sich zur
Situation intersexueller Menschen in Deutschland zu äußern. Die Antworten der
Bundesregierung auf diese Kleinen Anfragen sind in den Bundesdrucksachen
14/5425 und 16/4322 dokumentiert. Von den Berichterstatterinnen wird an den
Antworten der Bundesregierung kritisiert, dass diese ausschließlich auf der
Informationsbasis bestimmter ärztlicher Aussagen entstanden und von einem
Personenkreis stammt, der mit der Behandlung Betroffener intersexueller
Menschen betraut ist und an einer Fortführung der bisherigen Praxis
interessiert ist. Intersexuelle Menschen und ihre Organisationen wurden hierzu
nicht gehört. Auch verfügbare Erkenntnisse aus unabhängigen psychologischen
Studien zur Situation intersexueller Menschen(2) - mit aus Sicht der
Betroffenen katastrophalen Ergebnissen - wurden dort nicht einbezogen. Das
Ausweichverhalten der Bundesregierung wird dokumentiert durch die Aussage:
Wir wissen sonst nichts, deshalb ist auch kein weiteres Bemühen
erforderlich. Dieses wird aufs Schärfste kritisiert.
Ebenfalls verschiedene von intersexuellen Menschen durchgeführte Studien zu der
metabolischen, d.h. den Stoffwechsel betreffenden Situation von Personen, die
im Zuge der gegengeschlechtlichen Zwangszuweisung mit paradoxen
Hormonersatztherapien behandelt wurden, wurden nicht zur Kenntnis genommen.(3)
So werden regelmäßig Mädchen und junge zwischengeschlechtliche Frauen vor
Abschluss ihrer körperlichen Entwicklung kastriert und anschließend
ausschließlich mit nicht altersgerechten kontrazeptiven(4) oder post- oder
menopausalen(5) oder gar paradoxen(6) Hormonersatztherapien behandelt. Die ohne
medizinisches Spezialwissen leicht erkennbaren fatalen Konsequenzen aus diesem
medizinischen Handeln für die betroffenen Kinder, Mädchen und Frauen werden von
der Bundesregierung weder eruiert noch finden sie in den Berichten der
Bundesregierung Erwähnung.