Die Theorien des Prof. John Money und ihre Abwandlungen, obwohl schon lange in grausiger Weise zum Beispiel durch den Fall David Reimer(8) widerlegt, sind auch heute noch aktueller Inhalt der medizinischen Fach- und Lehrliteratur. Zu den daraus resultierenden Lehrinhalten der Ausbildung von Mediziner/innen ist an dieser Stelle klar festzuhalten, dass mit diesen Lehrinhalten Verstöße gegen Menschenrechte und in der Folge auch andere Rechtverstöße verbunden sind. Publikationen wie die von John Money und Abwandlungen sind damit als Aufforderung und Anleitung zum Menschenrechtsbruch zu verstehen.

Art. 10 c CEDAW verpflichtet zur Beseitigung von Geschlechtsstereotypen in der Bildung, insbesondere in Lehrbüchern. Was die Aus- und Fortbildung von Mediziner/innen angeht, ist die Bundesregierung aus Sicht der Berichterstatterinnen verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass Mediziner/innen umfassend informiert werden und ihrerseits sicherstellen, dass Eltern intersexueller Kinder umfassend und aus verschiedenen Perspektiven unter Einbeziehung von Kollegen anderer Disziplinen und von Beratern der Selbsthilfe umfassend informiert werden. So werden die intersexuellen Menschen selbst in die Lage versetzt, eine informierte Entscheidung zu treffen. Entsprechende Lehrbücher und Lehrinhalte müssen das Thema Intersexualität aufnehmen und dabei die Erfahrungen der Betroffenen ausreichend reflektieren. Darüber hinaus findet sich in medizinischen Lehrbüchern ebenso wie in Aufklärungsbüchern heute oft noch die falsche Darstellung, dass der Mensch bis zur 7. Schwangerschaftswoche vom Erscheinungsbild weiblich sei. Tatsächlich liegen aber bei allen Menschen bis zur 7. Woche die undifferenzierten Vorstufen der inneren Geschlechtsorgane beider Geschlechter (u. a. Wolffsche Gänge und Müllersche Gänge) vor. Auch die äußeren Geschlechtsorgane bedürfen bis zur Geburt noch einer hochkomplexen Differenzierung in die männliche oder weibliche Richtung. Bis zur siebten Schwangerschaftswoche sind alle Menschen intersexuell. Erst ab der 12. Schwangerschaftswoche entwickelt sich der Mensch in den männlich oder weiblich definierten Bereich, wobei intersexuelle Menschen einen mehr oder minder undifferenzierten Status beibehalten. Die Information über die Beschaffenheit des Menschen bis zur 7. Schwangerschaftswoche ist von erheblicher Bedeutung zur Beendigung aller geschlechtlich begründeten Diskriminierungen, nicht nur gegenüber „intersexuellen“ Menschen.

(8) z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/David_Reimer