Das Menschenrecht auf Gesundheit garantiert nach Artikel 12 (1) IPwskR (CESCR) “das Recht eines Jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit”. Das gleiche gilt nach Artikel 12 CEDAW ausdrücklich auch für Frauen und nach Artikel 24 (1) der Kinderrechtskonvention (CRC) auch für Kinder. Intersexuelle Menschen dürfen dabei nicht benachteiligt werden. Die Gesundheit bezieht sich auf das individuelle, physische und psychische Wohlbefinden des Menschen, nicht aber auf die Erlangung einer Wohlgefälligkeit der sozialen Ordnung gegenüber, die durch medizinische Eingriffe mit weitgehend unbekannten lebenslangen Folgen in die körperliche Integrität erreicht werden sollen. Der Staat ist außerdem verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen zur gesunden Entwicklung des Kindes zu ergreifen (Artikel 12 (2) a IPwskR (CESCR). Dazu gehört auch, es vor schädlichen, unzulässigen und ungesicherten medizinischen Behandlungen zu schützen.

Doch bis zum heutigen Tage wird gonadektomierten intersexuellen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland der Zugang zu gesundheitsnotwendigen, körperadäquaten und altersentsprechenden Hormonersatztherapie verwehrt. Berichte zahlloser intersexueller Frauen sind den Berichterstatterinnen bekannt. So werden regelmäßig weibliche Kinder und junge Frauen, die, aus verschiedenen Gründen - einschließlich Intersexualität - einer Kastration unterlagen, mit Hormontherapien substituiert, für die es weder eine Zulassung noch evidente wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Kinder im ersten Lebensjahr werden gonadektomiert und bekommen in Ermangelung einer altersgemäßen Hormonersatztherapie bis zu Ihrer Pubertät und teilweise darüber hinaus keine Geschlechtshormonsubstitution. Der hieraus resultierende primäre präpubertäre Hormonmangel, während der Phase ihrer Entwicklung und die damit verbundenen Folgen(9) sind weitgehend unerforscht. Weiter ist festzustellen, dass vor Abschluss ihrer körperlichen Entwicklung kastrierte Mädchen und junge Frauen anschließend in der Regel ausschließlich mit nicht altersgerechten, kontrazeptiven(10) oder post- oder menopausalen(11) oder gar paradoxen(12) Hormonersatztherapien behandelt werden. Dies ist nach Erkenntnis der Berichterstatterinnen eine klare Fehlbehandlung. Doch wenn besser informierte Frauen eine ihren körperlichen Grundlagen und dem Alter adäquate Therapie(13) wünschen, wird diese ausschließlich auf private Kosten gewährt.

Von intersexuellen Menschen durchgeführte Studien beweisen jedoch, dass die bisherigen medizinisch etablierten Verfahren zu einer Vielzahl schwerwiegender Sekundär-Erkrankungen (im wesentlichen Stoffwechsel- u. Organerkrankungen sowie Psychosyndromen) bei den Frauen führen. Die gesamte soziale, psychosoziale und psychosexuelle Entwicklung wird wesentlich gehemmt.
Betroffene Frauen kommen aufgrund ihrer frühen Ersatztherapien wegen primärer Gonadeninsuffizienz, insbesondere wenn diese Hormonersatztherapien gegengeschlechtlich (paradox) sind, überhaupt nicht oder nur unter sehr hohen finanziellen Aufwendungen in den Genuss bestimmter Versicherungsleistungen. Eltern ist es z.B. nicht möglich ihr neugeborenes intersexuelles bzw. gonadektomiertes Kind im Rahmen der allgemein üblichen und von der Bundesregierung darüber hinaus zunehmend geforderten privaten Vorsorge zu versichern.
Ein weiterer jedoch ebenso wesentlicher Aspekt wurde bisher noch nicht berücksichtigt:
Aus den Erfahrungen der intersexuellen Menschen sowie der Eltern ist das Eltern-Kind-Verhältnis, insbesondere das Verhältnis Mutter-Kind, einer erheblichen Störung durch die seit den 50er Jahren etablierte medizinische Verfahrensweise ausgesetzt.

Eltern werden von Ärzten geradezu indoktriniert. Diese medizinische Indoktrination der Eltern hinsichtlich der geschlechtlichen Anlagen ihres Kindes, lässt diese in einen Zustand der Überbeobachtung des Kindes und seiner geschlechtlichen Entwicklung fallen. Die hieraus nach den Money´schen Theoremen resultierende restriktive Erziehung zerstört nachhaltig das „Urvertrauen“ des Mutter-Kind- bzw. des Eltern-Kind-Verhältnisses. Die natürlichen und normalen Schutzinstinkte einer Mutter gegenüber ihrem Kind werden im Rahmen der medizinisch geforderten „restriktiven geschlechtlichen Erziehung“ durch einen Schutzmechanismus ersetzt, der das Kind vor seiner individuellen geschlechtlichen Eigenentwicklung schützen will.
Die natürlichen Schutzinstinkte der Mutter, die das normale Leben, Überleben und die Lebensfähigkeit des Kindes zum Inhalt haben, werden durch den ärztlichen Willen der geschlechtlichen Zwangszuweisung polarisiert und unterdrückt . Ursache hierfür ist im Wesentlichen, dass die geschlechtliche Eigenentwicklung des Kindes als „übergroße Bedrohung“ gegenüber den Eltern dargestellt wird. Dies wird durch die Erkenntnisse der Arbeit der Selbsthilfegruppe xy-frauen und deren Beratungsdienste als auch durch psychologische Studien, die sehr häufig das distanzierte Verhältnis intersexueller Menschen zu ihren Eltern zum Inhalt haben, dokumentiert.

(9) Mentale-, seelische-, psychosexuelle-, anatomische- , organische-, hirnorganische-, soziologische-, Fehl- oder Minderentwicklung als auch schulische Leistungseinschränkungen eingeschlossen.
(10) geringst dosierte synthetische Hormone zur Schwangerschaftsverhütung.
(11) gering dosierte Hormone zur Behandlung von Alterserscheinung der älteren Frau
(12) gegengeschlechtliche Hormongaben zur Unterdrückung der körpereigenen Wachstumspotentiale und damit zur Entwicklung der medizinisch erwünschten sekundären Geschlechtsmerkmale des Zielgeschlechtes ( Körperbehaarung, Stimmveränderung , Muskelmasse, etc). Allerdings gelingt dies, infolge der
(13) Auch hierzu existieren nur in den Kreisen der Betroffenen persönliche Erfahrungen, wissenschaftlich evidenten Studien sind nicht bekannt
3. Artikel 12 (Gesundheit)
3.1     Medizinische Versuche an Menschen   S. 12
3.2     Auflistung der Menschenrechtsverletzungen infolge der Behandlung nach den „Standards“ entwickelt von Prof. Dr. John Money   S. 12
3.2.1  Gonadenentnahme (Kastration)   S. 13
3.2.2  Genitalamputation   S. 13
3.2.3  Wirksamer Rechtsschutz    S. 13
3.2.4  Behandlungsdokumentation    S. 14
3.2.5  Irreversible genitalchirurgische Eingriffe bei Unmündigen und Erwachsenen   S. 14
3.2.6  Off-Label-Use von Medikamenten   S. 14
3.2.7  Behandlungskonsequenzen im Handlungsspielraum der medizinischen Definition S. 15