Mangels einer ausreichenden Anzahl von Langzeit-Untersuchungen ist Prof. Dr. John Money´s Standard niemals über das experimentelle Stadium hinausgekommen. Die große Mehrheit der intersexuellen Menschen in Deutschland hat keine rechtswirksame Einwilligung zu diesen an ihnen durchgeführten Menschenversuchen erteilt. Nach der Rechtsauffassung der Berichterstatterinnen ist durch die Unterlassung oder gar durch vorsätzliche falsche Aufklärung über den experimentellen Charakter der Eingriffe keine rechtlich wirksame Einwilligung zustande gekommen. Intersexuellen Frauen werden über Jahrzehnte Medikamente außerhalb ihrer Zulassung verordnet. Es wird ihnen sogar gegenteilig der Eindruck vermittelt, es handle sich bei dieser Art Behandlung um einen medizinisch gesicherten Standard. Dieser rechtswidrige Sachverhalt bleibt in Deutschland bis heute ohne rechtliche Konsequenzen, obwohl Behandlungsversuche ohne rechtsgültige Einwilligung der Versuchsperson selbst gemäß Artikel 7, 2 IPbpR (ICCPR) untersagt sind. Intersexuelle Frauen dürfen bei der Ausübung dieses Menschenrechts nicht benachteiligt werden (Präambel und Art. 3 CEDAW). Dies gilt in besonderem Maße auch bei Genitalverstümmelung, Genitalamputationen, Genitoplastik, Gonadenentnahme im Sinne einer ablativen Hormontherapie(14) und bei Bougierung.

(14) Die Kastration ist im engeren wissenschaftlichen Sinne bereits eine Hormontherapie, da sie die Entfernung des hormonaktiven Keimgewebes und seiner Wirkungen auf die Psychosexualität bzw. die Entwicklung der körperlichen Anlagen zum Ziele hat. Sie wird neben intersexuellen Frauen insbesondere bei Sexualstraftätern angewandt.