Zu den bis heute empfohlenen und durchgeführten Praktiken gehört die Entnahme der Gonaden (Hoden, Eierstöcke oder Mischformen) bei intersexuellen Menschen. Trotz fehlender medizinischer Indikation werden bis zum heutigen Tag anstelle regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen auch gesunde Keimdrüsen entfernt, aus Angst, es könnte ein erhöhtes Krebsrisiko bestehen. Hierzu wird nur die Einwilligung der Eltern, nicht aber die der intersexuellen Kinder selbst eingeholt, obwohl diese Maßnahme das Recht auf eine eigene Sexualität, das Selbstbestimmungsrecht, die Geschlechtlichkeit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit und eine unbeschwerte Kindheit betreffen.

Eltern werden diese Maßnahmen von behandelnden Ärzten vorgeschlagen, eine Zustimmung der betroffenen Kinder wird nicht eingeholt. Ihre natürliche Entwicklung wird nicht abgewartet. Intersexuelle Menschen und deren Eltern werden in der Mehrzahl falsch oder gar nicht über die Folgen der Kastrationen und der wissenschaftlich ungesicherten Hormonersatztherapien aufgeklärt. Die Kastration sowie die damit unausweichlich verbundene paradoxe Hormonersatztherapie werden von vielen Betroffenen als ein Eingriff in die elementarsten Menschen- und Persönlichkeitsrechte empfunden. Sie stellen in Anbetracht der Irreversibilität und des ungewissen geschlechtlichen Ausgangs eine Zwangstranssexualisierung dar.

Die unaufgeklärte Kastration Minderjähriger und Erwachsener wie sie bis zum heutigen Tage in der Bundesrepublik Deutschland an intersexuellen Menschen praktiziert wird verstößt nach Ansicht der Berichterstatterinnen gegen das reproduktive Selbstbestimmungsrecht der Frau (Art. 16 (1) lit e CEDAW). Weiterhin verstößt es gegen die Menschenwürde (Art. 1 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte) und das Recht auf Gesundheit (Art. 12 CESCR und Artikel 12 CEDAW) sowie gegen die Rechte auf gesundheitliche Aufklärung und gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdiensten (Art. 10 lit. h und 12 (1) CEDAW), denn bei anderen Patientengruppen - z.B. Personen mit mutmaßlich erhöhter Krebsgefahr - ist nicht die Organentnahme, sondern die Empfehlung frühzeitigerer Vorsorgeuntersuchungen üblich. Diese Verstöße werden in der Bundesrepublik Deutschland bislang nicht verfolgt. Der staatliche Schutz wird den Frauen vorenthalten.