Von medizinischer Seite wurde und wird den Eltern vermittelt, dass die Erziehung ihres geschlechtlich veränderten Kindes restriktiv in dem hergestellten Zielgeschlecht zu erfolgen hat. Darüber hinaus werden die Eltern aufgefordert, dem Kind lebenslang jede Information hinsichtlich der Eingriffe wie auch seiner wahren geschlechtlichen Grundlagen vorzuenthalten. Die medizinische Begründung für dieses Vorgehen liegt in der geschlechtlich- sozialen Sicherheit, die das Kind im hergestellten Geschlecht entwickeln soll. Darüber hinaus wird den Betroffenen, als weitere Rechtfertigung, von der Medizin, in deren Fach- und Lehrliteratur unterstellt, dass sie zu Dissozialität neigen, psychisch labil und häufig mental retardiert seien.
Die intersexuellen Berichterstatterinnen bewerten diese Pauschal-Aussagen als mit ihrer Würde als Mensch (Art. 1 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte) nicht vereinbar.

Die absolute Verschwiegenheit gegenüber Frauen, bezüglich ihrer früheren intersexuellen Beschaffenheit und die Verweigerung von Akteneinsicht in medizinische Akten verstoßen gegen die Rechte auf gesundheitliche Aufklärung und auf gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdiensten (vgl. Art. 10 lit. h und 12 (1) CEDAW). Nach Art. 8 (2) CRC ist der Staat, wenn die Identität eines Kindes verletzt worden ist, verpflichtet, angemessenen Beistand und Schutz zu gewähren, so dass die Identität schnellstmöglich wiederhergestellt werden kann.