Männliche Geschlechtszuweisung und Zwangskastration bei Adrenogenitalem Syndrom (AGS) mit 21-Hydroxylase- Defekt (Salzverlustsyndrom) und XX-chromosomalem Geschlecht

Ich bin als zweitjüngstes von sieben Kindern eines Architekten und einer Hausfrau zur Welt gekommen. Bei meiner Geburt war die Hebamme zunächst unsicher, ob ich ein Junge oder ein Mädchen sei, bis sie mich aufgrund des genitalen Befundes als Jungen klassierte. Ich wurde also als Junge, obwohl keine Hoden vorhanden waren, beim Standesamt angemeldet, also männlich zugewiesen, und als Junge erzogen.

Tatsächlich war das, was die Hebamme für ein männliches Geschlechtsteil angesehen hatte, eine ungewöhnlich verlängerte Klitoris, an deren Unterseite die fehlgebildete Harnröhre mündete, was als Hypospadie bezeichnet wurde. Dies bezeichnet mein männlichen Kind und Heranwachsenden den Zustand, bei dem die Harnröhre nicht an der Penisspitze, sondern irgendwo vorher austritt.
Tatsächlich lag (und liegt) bei mir nur ein sogenanntes Adrenogenitales Syndrom (AGS) mit 21-Hydroxylase- Defekt vor bei (ehemals) eindeutig gesunden und vollständigen XX-chromosomalen Gonaden. Genetisch/biologisch bin ich also völlig eindeutig Frau, bzw. weiblichen Geschlechtes, die jedoch unter einem Mangel des Enzyms 21-Hydroxylase leidet, was einen Mangel der lebenswichtigen Hormone Cortisol und Aldosteron zur Folge hat. Hieraus wiederum folgt die übermäßige Produktion von Androgenen, die zu einer Virilisierung der Klitoris führt.

Erstmals nach einer Blinddarmoperation wurde ich urologisch untersucht und wegen eines vermeintlichen Leistenhodens in der Urologie Kleve operiert. Nach dieser Operation wurde ich als 17-jährige vom Hausarzt meiner Eltern über meinen genitalen Befund folgendermaßen informiert:

"Du bist kein Mann. Du bist auch keine Frau. Du bist ein Zwitter. So ein Fall wie dich gibt es nur eins zu einer Million Geburten pro Jahr auf dieser Welt. Das kann man nicht heilen. Da kann man nichts machen. Damit musst du leben." Er begann höhnisch zu lachen: " So Menschen wie dich hat man früher auf dem Jahrmarkt ausgestellt und damit Geld verdient. Das kannst du ja auch mal ausprobieren. Da bist du eine Sensation, eine Kuriosität!"

Diese inhumane und äußerst brutale Befundmitteilung stürzte mich in eine tiefe Depression und erzeugte in mir Selbstmordabsichten. Mit Hilfe meiner damals in Köln lebenden älteren Schwester kam ich dann im November 1976 in die Klinik Köln-Merheim, wo ich mich vom 29.11. - 20.12.1976 und vom 25.07. - 23.08.1977 aufhielt.

Nachdem bereits in der urologischen Abteilung des Krankenhauses Kleve weder äußerlich noch im rechten Leistenkanal bis hin zur Blase Hoden oder Samenstrang auffindbar waren, wohl aber ein ovarförmiges Gebilde mit Fimbrien, ergab auch die Untersuchung in der Pathologie auf Veranlassung des Köln-Merheimer Krankenhauses, dass in den zur Befund übersandten Gewebeproben kein Hodengewebe, wohl aber Tube, Nebenhoden und Ovar zu finden waren.
Die Universitäts-Frauenklinik Köln nahm eine Chromosomenanalyse vor, deren Ergebnis unter dem 12.12.1976 eine normale weibliche chromosomale Konstitution (46,XX) ergab.

Obwohl die mich behandelnden Internisten eine "Laparotomie" angemeldet hatten, urolog. Konsil, erfolgte am 12.08.1977 durch den Oberarzt der Chirurgie, der gleichzeitig Leiter der urologischen Abteilung des Köln-Merheimer Krankenhauses war, eine "Testovarektomie bei Pseudohermaphroditismus", Anästhesiebericht, über deren Verlauf festgehalten wurde:

"Laparotomie am Freitag, den 12.08.1977. ... normale weibliche Anatomie mit präpuberalem Uterus, normal große Ovarien, Vagina endet blind... Entfernung aller intraabdominellen Genitalorgane... Es liegt damit kein Hermaphroditismus vor. Ursache der Virilisierung entweder AGS oder NNR-Tumor."

Die Pathologie berichtete dem obig genannten Operateur über den Befund des entnommenen Organes: "6 x 3 x 2 cm großer Uterus mit glatter Portio, einem schmalen Endometrium sowie Myometrium. Der Corpusteil des Organes ist hypoplastisch. Beiderseits anhängend je ein knapp pflaumengroßes Ovar mit ... Zysten".

Der Oberarzt der Chirurgie und gleichzeitiger Leiter der Urologie hat mir also damals als 18-jährige, dem Gesetz nach bereits Volljährige, meine normalen weiblichen Geschlechtsorgane völlig grundlos, ohne Aufklärung, ohne meine explizite Unterschrift/Einwilligung und somit eigenmächtig operativ entfernt. Über das Ergebnis der Operation und die dabei getroffenen Feststellungen bin ich niemals unterrichtet, sondern in dem Glauben gelassen worden, mir sei entartetes gonadales Gewebe, bzw. eine Art Tumor entfernt worden. Bei vollständiger und korrekter Aufklärung und mit angemessener therapeutischer Behandlung des adrenogenitalen Syndroms hätte ich, die auch psychologischer Betreuung bedurft hätte (diese wurde mir durch den Oberarzt der psychosomatischen Abteilung der Uni-Klinik Köln-Lindenthal mit Absicht vorenthalten, psychosomatische Exploration, 03.08.1977), eine erfüllte weibliche Sexualität, das Leben einer Frau und Mutter erleben können.

Dies alles wurde mir durch die Genitalverstümmelung, bzw. durch die an mir nachgewiesenermaßen durchgeführte Zwangskastration mit Absicht zerstört. Die unterlassene Aufklärung, die fehlende Einverständnis, die Geheimhaltung, die gegen jedes Patientenrecht widerrechtliche Medizin-Politik des "Nichtwissens" und Falschaufklärung ergibt sich auch aus dem Schreiben des mich damals behandelnden Oberarztes der Inneren Medizin des Krankenhauses Köln-Merheim an das Kreiswehrersatzamt Krefeld. Unter dem Datum vom 05.06.1979 (!) wird u.a. vermerkt:

"Der Patient ist genotypisch weiblich und die normalen weiblichen inneren Organe wurden hier operativ entfernt. Ich bitte um unbedingte Berücksichtigung der Tatsache, dass Herr V. über das Ausmaß der Erkrankung noch nicht vollständig informiert ist. Die obig genannten Diagnosen dürfen ihm auf keinen Fall mitgeteilt werden".

Aus diesem Schreiben ergibt sich ebenfalls die absichtliche "Nichtinformation" seitens der damaligen Ärzte über die damals bereits bestehende sowohl hormonelle als auch chirurgische Anpassung an das weibliche Geschlecht. Dies hatte zur Folge, dass ich mich im weiteren Verlauf völlig überflüssiger Harnröhrenkonstruktionen unterzogen habe, bzw. dass ich seitens der mich damals behandelnden Ärzte eine chirurgisch-urologische und hormonelle Geschlechtsumwandlung untergeschoben bekam (FzM), wobei die für mich lebensnotwendige und lebenslängliche Hormonersatztherapie (Kortison- und Testosteronabgabe) erst zwei Jahre nach Diagnosestellung meines AGS und meiner widerrechtlichen Kastration begann. Somit stellt das absichtliche Vorenthalten meiner für mich lebensnotwendigen Medikamente durch die damals mich behandelnden Ärzte für die Dauer von nachweisbar zwei Jahren den Tatbestand des Mordversuches dar. Also war ich darüber hinaus für die damaligen Ärzte ein medizinisch- menschliches Experiment mit der Fragestellung: Wie lange schafft es ein AGS-Körper, eine AGS-Betroffene, ohne Kortison zu überleben?

Die Harnröhrenkonstruktionen, die mir untergeschobene FzM- Geschlechtsumwandlung und die widerrechtliche Entnahme meiner gesunden weiblichen Organe/meine Zwangskastration hatten folgende Konsequenzen: Ich leide unter chronischen, nahezu antibiotikaresistenten Harnwegsinfektionen mit chronischen, schmerzhaften Harnblasenentleerungsstörungen und Restharnbildung. Es bildete sich an meinem weiblich angelegten Körper sogenanntes Kastratenfett. Mein von Natur aus weiblicher Körper wurde durch den Ausfall der körpereigenen Hormonproduktion und die Gabe von Testosteron vermännlicht. Die ursprünglich weibliche Stimme vermännlichte. Es bildete sich mit der Zeit eine stark ausgeprägte männliche Stirnglatze und starker Haarausfall sowie eine männliche Körperbehaarung, insbesondere Bartwuchs. Meine Haut entwickelte eine mannestypisch vermehrte Talgproduktion mit Aknebildung.

Aus einer nahezu gesunden jungen Frau, also ich, die bis zum Eintritt der Volljährigkeit (das Volljährigkeitsalter war von vorher 21 Jahren zum 01.01.1975 auf 18 Jahre herabgesetzt worden, BGBI 74 I 1713) fälschlicherweise als Junge aufgewachsen war, wurde durch den nachgewiesenermaßen widerrechtlichen operativen Eingriff, die Zwangskastration, und die gegen jedes geltende Patientenrecht und die Grundgesetze dieses Landes verstoßende, bzw. die widerrechtliche Medizin-Politik der absichtlichen Geheimhaltung und Falschaufklärung sowie nachgewiesenermaßen unterlassenen Hilfeleistung ein erheblich defekter "Mann" konstruiert.
Ich wurde gezwungen von 1977 bis 2006 und darüber hinaus ein falsches Leben zu führen, nämlich als Frau dasjenige eines Mannes. Erfüllte Partnerschaft, erfüllte Sexualität, mein Recht auf Mutterschaft und die Möglichkeit eine Familie aufzubauen sind mir auf diese Art und Weise genommen und zerstört worden.

Erst durch Einsicht in meine Krankenunterlagen im November 2006, die ich aufgrund dringender hormoneller und chirurgischer Weiterbehandlung anforderte, wurde die ganze Wahrheit, bzw. die schwere und gefährliche Körperverletzung (§ 224 und § 226 STGB), die permanente Verletzung und Verstöße gegen geltendes Patientenrecht, der Verstoß gegen das Kastrationsgesetz, und die massiven Verstöße gegen die Grundgesetze dieses Landes und die Menschenrechte durch die mich damals behandelnden Ärzte offenbar.

 Nunmehr im Alter von 48 Jahren beginne ich damit die Frau zu werden, die ich von Natur aus schon immer war. Die verlorene Jugend und das Leben einer Frau mit 20 oder 30 Jahren kann mir dies nicht zurückbringen. Es kann auch niemals wieder gut gemacht werden, was ich als 17- und 18-jährige im Krankenhaus erlitten habe:

  • Vermessung von Becken- und Schädelumfang sowie Arm- und Beinlängen ohne irgendwelche Angaben von Gründen,
  • die öffentliche Vorführung vor Studenten der Medizin mit der Aufforderung mich vollständig zu entkleiden,
  • erzwungene Ganzkörpernacktaufnahmen und Nahaufnahmen meines intersexuellen Genitales,
  • entstellende Operationsnarben im gesamten Unterbauch- und Intimbereich.
  • Erzwungene Exploration durch den damaligen Oberarzt der Psychosomatik der Uni-Klinik Köln-Lindenthal zur Ausleuchtung meiner sexuellen Orientierung und Verhaltensweisen, sowie seine widerrechtliche Weitergabe meiner intimsten Details an Dritte (Verstoß gegen das Datenschutzgesetz) bis auf den heutigen Tag.
  • Erzwungener Intelligenztest durch den obig erwähnten Psychosomatiker zur Ausleuchtung der Einflüsse meiner Erkrankung und der Auswirkung der Androgene auf mein Gehirn.
  • Demütigungen und bis heute bestehende psychische Traumata durch zutiefst verletzende, inhumane, völlig geist- und charakterlose Kommentare seitens der damaligen Ärzte.
  • Verlust meiner körperlichen Integrität durch gezielte Verletzung meiner Grundrechte und die Zwangskastration.
  • Verlust meiner psychischen Integrität durch obig genannte Maßnahmen und das daraus resultierende objekthafte Erleben meines Körpers, den ich als vom Selbst getrennt erlebe.

Die permanente Verletzung meiner intimsten Privatsphäre und die permanente Sorge, dass meine Intim- und Körperdaten einschließlich Lichtbildern in Fach- und möglicherweise sonstigen Publikationen und diversen Internetforen zu finden sind, haben mir jegliche Unbefangenheit im Umgang mit anderen Menschen genommen. Unter der daraus resultierenden psychischen Isolation und der Unfähigkeit tiefer gehende, vertrauensvolle soziale Kontakte knüpfen zu können, leide ich bis an mein Lebensende.

Für all dies mir zugefügte Leid, für diese an mir durch die Institution Medizin verübten Medizinal-Verbrechen, einen angemessenen Schmerzensgeldausgleich, denn Wiedergutmachung ist nicht möglich, z.B. kann man mir meine gesunden Geschlechtsorgane (Eierstöcke und Gebärmutter) nicht re-implantieren, finden zu können, fällt sehr schwer. Bei der Bezifferung wird man am ehesten an Fälle schwerster Persönlichkeitsveränderungen durch Hirnschädigungen denken müssen.